Politik - Deutschland

Silvestertraditionen überdenken?

Feuerwerke sind Tradition und bedeuten Spaß. Doch Tiere, Menschen und Umwelt leiden. Ist es an der Zeit, private Feuerwerke zu verbieten?

Böllern an Silvester und Neujahr ist für viele Menschen eine wichtige Tradition, die mit viel Spaß verbunden ist. Das bunte Schauspiel ist Kultur und Unterhaltung in einem, doch privates Zünden von Feuerwerkskörpern steht unter heftiger Kritik.

Viele Menschen in Deutschland fordern ein Ende des privaten Böllerns, wie es ab dem Jahreswechsel 2026/2027 in den Niederlanden gilt. 59 Prozent der in Deutschland lebenden Personen sind für ein Böllerverbot für Privatpersonen und haben die größte deutsche Petition für ein privates Böllerverbot unterschrieben. Die Deutsche Umwelthilfe fordert zusammen mit einem Bündnis aus über 55 Organisationen, wie der Polizeigewerkschaft, dem Deutschem Kinderhilfswerk und Tierrechtsorganisationen, mit der Kampagne #Böllerciao die Bundesinnenminister*innenkonferenz zum Handeln auf.

Laut einer aktuellen YouGov-Umfrage zünden 63% der deutschen Bevölkerung gar keine Silvesterfeuerwerke, aber die restlichen 37% halten an dieser Tradition fest.

Aber warum wird die Kritik an Feuerwerken immer lauter? Ein Grund dafür ist die durch den Lärm und das laute Knallen entstehende Gefahr, dass Menschen, insbesondere Kinder, retraumatisiert werden können. Außerdem birgt das nicht fachgemäße Zünden eines Feuerwerkskörpers eine hohe Verletzungsgefahr, was zu überfüllten Notaufnahmen führt. Oft sind böllernde Personen betrunken, was das Verletzungsrisiko noch einmal steigen lässt. Durch Explosionen und die von Feuerwerkskörpern ausgehende Brandgefahr, kommt es auch zu zerstörten Gegenständen und Wohnungen. Nach Silvester und Neujahr ist die Luftqualität deutlich schlechter, zudem liegen Mengen an Müll unkontrolliert verteilt herum.

Wildtiere leiden unter lärmbedingtem Stress, was insbesondere in der Winterzeit ungünstig ist, weil Tiere hier Energie sparen müssen, da Kälte und mangelndes Futter ihnen zusetzen. Durch die instinktive Flucht werden Familienverbände auseinandergerissen, zudem erleiden Tiere teilweise Gehörschäden. Fliehende Tiere werden außerdem oft Opfer von (Auto-)Unfällen. Gartenvögel fliegen aus Stress bis zu 1000 Meter hoch, diese Kraftanstrengung während der eigentlichen Nachtruhe kann zum Erschöpfungstod führen, da sie sonst nur selten über 100 Meter hoch fliegen. Auch kollidieren aufgeschreckte Vögel mit fliegenden Feuerwerkskörpern. Tiere, die sich in der Winterruhe oder im Winterschlaf befinden, werden zum Teil aufgeweckt, was – durch mangelndes Futter – zum Tod führen kann. Helle Lichter in der Nacht verstellen zudem oft die „innere Uhr“ der Tiere.

Der Lärm löst auch bei im Haus lebenden Tieren oft Angstzustände oder einen Fluchtreflex aus. Laut Tasso entliefen an Silvester und Neujahr im Jahr 2024/2025 428 Hunde und an einem normalem Tag etwa 79 Hunde, also entlaufen mehr als 2,5mal so viele Hunde am Jahreswechsel im Vergleich zu „normalen“ Tagen. Durchschnittlich entlaufen 800-1000 Hunde und Katzen zum Jahreswechsel.

Das alles sind Gründe unsere Tradition an Silvester vielleicht einmal zu überdenken, um Rücksicht auf Menschen, Tiere und Umwelt zu nehmen.

Petition für ein Verbot von privaten Feuerwerken: https://mitmachen.duh.de/boellerfreies-silvester

Quellen:

https://www.peta.de/themen/feuerwerk-verbot/

https://www.duh.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/boellerverbot-wie-in-den-niederlanden-deutsche-umwelthilfe-und-buendnis-aus-mehr-als-55-organisatione

https://www.tasso.net/Presse/Pressemitteilungen/2023/Trauriger-Rekord

https://hessen.nabu.de/news/2020/29080.html

Ein Gedanke zu „Silvestertraditionen überdenken?

  • Tobias

    Super Artikel!!!
    Ich bin vollkommen deiner Meinung. Die Petition ist schon unterschrieben.

    Antworten

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